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Am 4. Juni 2009 kam Terminator 4: Die Erlösung in die deutschen Kinos. Ein weiterer Film, der auf Bekanntem aufbaut und sich den Erwartungen des Publikums stellen muss. Aber entgegen mancher Filme, deren Vorgeschichte, bzw. deren originale Vorlage nur eine Minderheit der Kinogänger kennt (wie beispielsweise bei Watchmen), ist Terminator eine feste Institution. Wer kennt sie nicht, die gewalttätigen Filme dieser Reihe, die als Geschenk unserer herzensguten privaten Sender zu allen Weihnachtsfeiertagen wiederholt werden?
Die Terminator-Serie hatte seit jeher ein großes Problem: Ein Zeitreiseparadoxon. Halt! Erschießt euch nicht gleich, das Problem ist schnell geschildert. Stellen sie sich vor: Ein Ding A tut etwas, aus dem Ding B hervorgeht. Ursache und Wirkung. Soweit klar, oder? Dann tut Ding B etwas, aus dem Ding C hervorgeht. Könnt ihr noch folgen? Okay. Jetzt kommt das Paradoxon: Ding C tut etwas, aus dem Ding A hervorgeht. Jetzt könnt ihr euch erschießen, jetzt haben wir ein handfestes Problem, aus dem es kein Entrinnen gibt. Ersetzen wir unsere geistreich formulierten Formalismen mit etwas Handfesterem: Frau A gebiert (unter Zuhilfenahme von Mann X) John Connor, John Connor schickt Mann C in Vergangenheit, Mann C zeugt mit Frau A John Connor. Was wir hier vor uns haben, nennt man Paradoxon der Zeitreise. Es funktioniert nicht, weil man sich irgendwann, so nach etwa 900 Schleifen, die Frage stellen muss: Wo bleibt denn eigentlich unser „Mann X“? Knifflig, die Sache. Und auch knifflig, darauf eine mehrteilige Filmserie aufzubauen.
Die ersten drei Teile der Serie haben dieses Problem gekonnt und mit höchster schauspielerischer Leistung umschifft, indem sie es gar nicht erst zur Sprache brachten. Warum auch? Gibt ja ohnehin keinen Ausweg aus dem Schlamassel. Aber der vierte Teil, der bringt das zur Sprache. Nicht nur das: Er thematisiert es auch. Es ist sozusagen der Grund für alles, was ab ca. der Hälfte des Films passiert. Das macht die Sache nicht viel besser, das Paradoxon kann ja weiterhin nicht gelöst werden, aber immerhin: Es zeigt, dass die Leute mit dem Füller in der Hand das Problem erkannt haben. Dass zumindest darüber gesprochen wird. Das rechne ich dem Film hoch an, denn, wie gesagt, es gibt ja keine Lösung.
Der Film, von dieser philosophischen Problematik getrennt betrachtet, ist ein recht guter Actionfilm. Kein besonders geistreicher Streifen, kein Film mit herausragenden Charakterdarstellern, trotz eines sicherlich gut bezahlten Christian Bale. Insgesamt ein Film der Marke Michael Bay, obwohl der die Frage der Zeitreise vermutlich ebenso gut umgangen hätte, wie die Regisseure der ersten drei Teile. Es knallt und kracht, wo man nur hinsieht, und der Rest ist deprimierende Ödlandansicht eines durch den nuklearen Krieg zerstörten Landes. Alles an der Szenerie vermittelt diesen Eindruck: Braunes Gras, karge Bäume, überall nur Ruinen und Autowracks. Keine Hoffnung. Der Film stellt die Postapokalypse so dar, wie ich es mir nur vorstellen kann: Einsam, öde, deprimierend. Wie schön, wenn Regisseure sich so in die Umgebung einfühlen: Der Film ist genauso öde. Und das will was heißen, denn das Explodieren und das Krachen, das Maschinenzerstören und einander blutig Schlagen, das ist gut gelungen. Der Vergleich zu Michael Bay kommt nicht von ungefähr. Und wenn ich sage, dass es sich hier um einen recht guten Actionfilm handelt, ist der Film auch genau das. Nicht mehr und nicht weniger.
Worum geht es also in diesem Film mit der problematischen Philosophie: John Connor, Rebellenführer, testet ein neues System zur besseren Vernichtung der Maschinen. Erfolgreich. Dann stellt er fest, dass sein zukünftiger Vater von den Maschinen entführt wurde und versucht alles, diesen zu retten. Er weiß, dass seine Realität zusammenbricht, wenn der Vater stirbt. Außerdem sucht eine Mensch-Maschine ihre Identität, lockt unbewusst alle in die Falle und rettet schlussendlich allen den Tag, und John Connor auf mehr als eine Weise das Leben.
Es gibt Filme, die haben wesentlich weniger Handlung und sind herausragend. Es gibt auch Filme, die haben wesentlich mehr Handlung und sind episch. Was ist es also, dass dieser Film so beeindruckend durchschnittlich bleibt, trotz des nennenswerten Bemühens, die philosophischen Abgründe menschlicher Unachtsamkeit auszuloten und den gelungenen Special Effects? Das Problem sind die Schauspieler und die Zwangslage des Drehbuches. Bis auf eine Ausnahme gibt keinen einzigen Schauspieler, dem ich es abnehme, in einer Welt zu leben, in der Tod und Angst wie das Schwert des Damokles über jedermann schweben, und in der es keine Hoffnung zu geben scheint. Und die eine Ausnahme ist ausgerechnet ein computergenerierter Arnold Schwarzenegger, der nur für ein paar Minuten zu sehen ist. Christian Bale spielt John Connor so steif und martialisch wie, naja, Arnold Schwarzenegger einst den Terminator. Aber wenn jemand eine mordende Maschine steif und martialisch spielt, ist das etwas anderes. Das nimmt man ihm ab. Christian Bale dagegen ist einfach nur ein Typ, der seine Rolle spielt. Er hat sein Drehbuch bekommen und macht seinen Job. Unmotiviert, hölzern und gelangweilt. Der zweite Hauptcharakter ist da schon besser, spielt mit wesentlich mehr Leidenschaft, aber der ist gefangen in seinem Schicksal: Ein Roboter mit Gehirn. Er muss sich ständig reduzieren, weil er ja nicht so sein kann, wie seine menschlichen Kollegen, mit all dem Metall im Torso. Aber er kann auch keine ganze Maschine sein, denn so ein Gehirn lässt sich ja schwer ignorieren.
Die andere Problematik, das Drehbuch, ist Folgende: Dieser Film muss den Kreis zwischen den anderen drei Teilen der Serie schließen, um die Kausalität zu wahren. In Terminator 1 wurde gesagt, dass die Rebellen den Krieg gewinnen. Eben deshalb, als Akt der Verzweiflung, hat die Maschinenwelt einen Roboter durch die Zeit geschickt, um in Terminator 1 alles zum Besten zu rücken. Mit jedem Teil der Serie war irgendetwas anders, die Zukunft schien veränderbar, noch unbeschrieben. Und auch, wenn Teil drei der Serie zum Schluss kommt, dass man sich gegen die vorbestimmte Zukunft nicht wehren kann, wurden die Zuschauer dennoch stets in dem Glauben gelassen, dass die Zukunft zumindest teilweise veränderbar sei. Aber wenn man nun einen Film dreht, der den Kreis zu Teil 1 schließt, müssen die Erwartungen der Zuschauer dort irgendwie mit einfließen, da sonst die anderen Teile der Serie ad absurdum geführt würden. Und da niemand ein zweites Paradoxon der Logik wünscht, mussten die Kollegen vom Drehbuch ganz schön ihre Arschbacken zusammenkneifen, um mit einer Story daherzukommen, die beides vereint. Und das haben sie geschafft. Auf Kosten der Glaubwürdigkeit und auf Kosten der Filmdynamik. Aber diese Makel können die (möglicherweise) folgenden beiden Terminatorfilme ja vielleicht ausmerzen: Die grundlegende Story ist dann bereits bekannt, Sprünge in die Vergangenheit wird es wohl nicht geben und die Erwartungen spielen nach Terminator: Die Erlösung sicherlich keine Rolle mehr. Christian Bale ist ja immerhin als Charakterdarsteller bekannt: Sind die Fesseln Der Erlösung erst gesprengt, ist es ihm vielleicht dann möglich, in seiner Rolle aufzugehen. Der Dunkle Ritter hat ja sehr eindrucksvoll gezeigt, wie ein Film aussehen muss, bei dem es viel knallt und der Christian Bale zum Hauptdarsteller nimmt.
Alles in allem ist Terminator: Die Erlösung ein durchschnittlicher Film. Er kann nicht überzeugen, kann seinen Erwartungen nur teilweise gerecht werden und präsentiert Schauspieler, die sich in die postapokalyptische Science Fiction-Welt partout nicht einleben können. Da helfen auch die ganzen Explosionen und der Mut zum Paradoxen nicht. Und wer noch einen abschließenden Grund braucht, Christian Bale als John Connor nicht zu mögen, darf sich gerne seinen jähzornigen Gefühlsausbruch am Set anhören. Das gibt dem Film genau die Nuance, die auch ein toter Weihnachtsmann im Friedhof erzeugen würde: Alles in allem ein gruseliger Ort, und der Weihnachtsmann macht's auch nicht besser. |