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Alternde Helden und Magnetismus PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Tobias Winkler   
Donnerstag, 18. Juni 2009 um 00:00 Uhr

Was ist das eigentlich, das Harrison Ford in seiner Rolle als Indiana Jones so unbegreiflich charismatisch macht?
Vermutlich das Gleiche, das einen lachen und mitfiebern lässt, wenn Indiana Nazis, Isrealis oder Kommunisten jagt. Warum sich über das Klischee des fieberroten Iwan grämen, wenn ein faltiger, grau-mellierter Indiana über die Bildfläche schwingt und sich über sein fortgeschrittenes Alter amüsiert?

Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels ist ein hervorragender Actionfilm im Stil des bisherigen Dreiteilers.

 

Viele haben befürchtet, nicht zu unrecht, dass ein neuer Teil der Indiana Jones-Trilogie vermutlich in die klassischen Stilelemente von Steven Spielberg und George Lucas zurückfallen wird. Das bedeutet: lineare Handlung, vorhersehbare Wendungen und grafische Gourmets vom Allerfeinsten. Zugegeben, bei Indiana Jones 4 ist die Handlung linear und vorhersehbar. Aber während man beim Einen kopfschüttelnd fortgeht und das unangenehme Gefühl hat, gerade 8 Euro für eine seelenlose Computerschauspielerei ausgegeben zu haben, wird dieser Teil der Saga dem alten Flair vollkommen gerecht: Man geht mit dem Gefühl nach Hause, einen Actionfilm gesehen zu haben, der sich und seine Wurzeln nicht ernst nimmt, der sich in einem Fort aufs Korn nimmt und der einen Hauptdarsteller präsentiert, der so dreckig, verschwitzt und sprücheklopfend daherschwingt, wie eh und je.
Ich vermute, dass eben diese Verliebtheit in den Charme der vorigen drei Teile dazu geführt hat, dass Harrison Ford die Rolle übernommen hat. Und ich vermute, dass man eben daraus ableiten kann, warum in Star Wars Episode 1-3 Han Solo fehlt.

Worum geht es also in diesem Teil, der momentan in aller Munde ist und den jedermann zu loben scheint? Wie bereits erwähnt: Die Handlung ist linear und vorhersehbar. Man sollte also nicht zu viel erwarten. Wenn der Film also mit einem Überfall der roten Horde des Ostens beginnt, darf man auch zu Recht erwarten, dass der Film mit einem Überfall der roten Horde endet. Dazwischen: Viel Sprüche, Schweiß, Brusthaare und kaputte Autos. Außerdem Kristall, dass Gold und Aluminium magnetisiert, goldgeile Doppel- und Dreifachagenten und, selbstverständlich, Liebschaften.
Indiana soll auf Geheiß und Befehl der anmutigen und kühl-distanzierten Sowjetin Irina Spalko, gespielt von Cate Blanchett, erst einen Schädel aus Kristall finden, anschließend dann den Tempel, in welchem der Schädel endlose Reichtümer aufzeigen soll. Wie immer kommt Indiana mitsamt Gefolge unentwegt in Gefangenschaft und wie immer kommt Indiana mitsamt Gefolge unentwegt wieder frei. Die Kommunisten sterben schneller wie die Fliegen, der Schweiß und das männliche Testosteron fließt unzählige Klippen und Wasserfälle hinunter, und die 50er Jahre, in denen der Film spielt, sind so rotzig und mit so wunderbar gepflegten Frisuren ausgestattet, dass man sich nach dem Film eigentlich sofort einen Kamm kaufen möchte. Und ein Springmesser, damit sich keines leihen muss, wenn es mal drauf ankommt.

Indiana Jones folgt wirklich den alten Pfaden und schafft, was wir, die ewig trotzige und unheildräuende Kommentatorschaft nicht erwartet hat: Alles bleibt beim Alten und wird noch besser. Noch viel besser.
Außerdem sei Steven Spielberg noch ausführlichst zu seiner letzten Szene gedankt. An einer Stelle, an der jeder andere der zombigleichen Hollywood-Regisseure dazu verleitet worden wäre, die Stelle des Indiana Jones abzugeben, weiterzutragen an die jüngerer Generation und damit einen potentiellen fünften Teil offenzulassen, geht Spielberg einen anderen Weg. Er lässt die Ikone Jones’, den Schlapphut, zum Sohn rollen, lässt ihn diesen aufheben, nur um zu zeigen, wie Indiana sich den Hut schnappt und, ein Schmunzeln auf seinem alten, faltigen Gesicht tragend, den Raum verlässt.
Schnitt, Klappe, aus.

Danke, Steven Spielberg, für diese großartige Schlussszene und das sich aufzwängende Schlusswort:
Es gibt nur einen Indiana Jones. Dieser Film ist der Beweis und zugleich ein großartiges Ende einer noch großartigeren Actionsaga.

Zuletzt aktualisiert am Donnerstag, 25. Juni 2009 um 11:14 Uhr
 
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